Ein Stahlmonster "made by Müller"

KALL. "Wenn es um schwierige Sachen geht, die das ganze Können unserer Firma verlangen, arbeiten wir am liebsten!" Juniorchef Josef Müller weist in der Kaller Fertigungshalle auf eine Eisenkonstruktion, die wie ein Ypsilon aussieht. Müller ist Geschäftsführer der Stahlbaufirma "Müller und Sohn" in Kall und leitet die Geschicke des Unternehmen zusammen mit Bruder Thomas und Vater Gregor.

Die Schwierigkeit bestand bei diesem Ypsilonstahlträger darin, die beiden schrägverlaufenden Stützen am Boden in einem Punkt zu vereinen. "Wir verwenden eine besondere Form der Schweißnaht, um den 40 Millimeter dicken Stahl miteinander zu verbinden", erläutert Josef Müller und verfolgt, wie Schweißer Reiner Bothe mit heller Flamme die Naht zieht.

Die Ypsilonstütze wird in einem neuen Shoppingcenter in Wiesbaden eine 41 Meter lange und achtzehn Meter breite Brücke tragen, die ebenfalls in Kall gefertigt wird. Sie verbindet als überdachte Fußgängerbrücke ein Parkhaus mit dem Shoppingcenter.

Den Auftrag für das Projekt hat die Firma Müller und Sohn von der in Köln ansässigen Firma "Hochtief" und dessen Bauleiter Alfons Nagler erhalten. Die Brücke allein ist 200 Tonnen schwer, die Ypsilonstütze wiegt zwölf Tonnen - ohne Beton. Aus brandschutztechnischen Gründen muss der Hohlraum der Stütze mit Beton ausgegossen werden, damit sich bei einem Unfall mit Brandfolge das heiße Eisen nicht verbiegt, bevor die Menschen auf der Brücke in Sicherheit sind.

In der kommenden Woche wird das monströse Produkt mit einem Spezialtransporter nach Wiesbaden gebracht und noch in der Nacht vom Obermonteur Wolfgang Stoll und den Monteuren Frank Müller, Timo Hufschmidt und Diethelm Fischer in die endgültige Position gebracht.


Der Transport nach Wiesbaden findet am 8. Februar aus Anlass des Geburtstags des Großvaters von Josef Müller statt, der an diesem Tage 107 Jahre alt geworden wäre, erklärte Juniorchef Josef Müller. Gegründet wurde der Betrieb vom Urgroßvater des Firmeninhabers, Peter-Josef Müller. 33 Jahre später übernahm Sohn Josef in zweiter Generation die Huf- und Wagenschmiede in Blumenthal. 1931 ging der Betrieb an den Enkel des Gründers, Hermann-Josef Müller. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Haus in Blumenthal schwer beschädigt. 100 Jahre nach der Gründung wurden Umbauten und Erweiterungen erforderlich. 1963 absolvierte Sohn Gregor die Meisterprüfung und stieg in das Unternehmen des Vaters ein. Die 1960 erbaute Werkstatt wurde zu klein und so wurde ein Standortwechsel nötig. Der Betrieb wurde 1980 nach Schleiden verlegt. Vor fünf Jahren wechselte der Firmensitz ins Gewerbegebiet II nach Kall.

zurück